Die Märzenburg

Unsere Gruppe orientiert sich an der Sage der Märzenburg. Diese soll zwischen Kaufbeuren und Biessenhofen gestanden und aufgrund eines Fluches untergegangen sein. Auf dem bewaldeten Hügel ihres mutmaßlichen Standortes, steht ein Gedenkstein, da sich dort vermutlich wirklich ein Burganlage bzw. Wohnanlage befand, jedoch nicht aus dem Mittelalter, sondern aus der Hallstattzeit.

Wir haben uns diese Fakten und die Sage zum Grundstein gemacht und haben den fiktiven Hintergrund erschaffen, dass diese Burg, einer typischen Burganlage des späten 14. Jahrhunderts entsprechend, wirklich bestand. So hat Friedrich von Hohenzollern diese im Jahre 1378 erworben und sie, da sie baulich sehr marode war, neu instand setzen lassen.

Wir haben uns dieses fiktiven Hintergrundes bedient, da unsere gesamte Darstellung nicht auf historisch belegten Persönlichkeiten beruht und uns so die Möglichkeit offen blieb, eine Burgbesatzung um 1380 mit heimatlichem Bezug darzustellen. Solange man sich an historische Fakten und Gegebenheiten hält, ist einer fiktiven Darstellung ihre Plausibilität und Ernsthaftigkeit unserer Meinung nach nicht abzusprechen.

Außerdem dient der Erhalt und die Weitergabe dieser Heimatgeschichte der Heimatpflege, die wir als sehr wichtig erachten. Die in der Sage erwähnten Orte existieren alle wirklich.

 

Die Sage

 

Auf dem Weg von Kaufbeuren nach Biessenhofen liegt die Pudelwirtschaft. Ein Stück weit entfernt liegt, neben der Bahnstrecke von München nach Füssen, das alte Bahnwärterhäuschen und ein Gehöft. Auf der Kuppe des bewaldeten Höhenzuges darüber befinden sich zwei unterschiedlich große Gruben. Die größere rührt von der Märzenburg her, die dort versunken sein soll. Die kleinere soll von den Versuchen stammen, den sagenhaften Schatz der Burg zu heben. Noch vor 100 Jahren soll man das Loch der Burg deutlich als großes, tiefschwarzes Rund im Boden gesehen haben, in das die Kinder Steine hinabwarfen....es dauerte lange, bis das Aufschlagen aus den versunkenen Räumen und Tunneln, die bis zur kaufbeurer St. Martinskirche reichen sollen, zu hören war.

Die Burg wurde einst von einem heimgekehrten Kreuzfahrer errichtet, der wahre Mengen an Gold und Schätzen aus dem Morgenland mit sich gebracht haben soll. Viele Generationen lebten seine Nachfahren auf der Burg, doch nie versiegte der Reichtum. Als viele hundert Jahre später als letzte Nachfahren des Ritters drei Schwestern, nach dem Tod ihres Vaters, dazu gingen, das Vermögen unter sich aufzuteilen, lud eine der Schwestern, die Schwarze genannt, einen schrecklichen Fluch auf die Märzenburg.

Ihr Vater war ein Gefangener aus dem Morgenland, was sie zur Halbschwester der anderen machte. Da sie die schwarze Hautfarbe von ihrem Vater geerbt hatte, erhielt sie diesen Namen.

Sie ließen den Scheffel reihum gehen und machten ihn immer wieder für jede voll mit Gold. Doch als die zweite Schwester an der Reihe war, wurde sie betrogen, denn sie war blind. Und alsbald sie ihren Teil bekommen sollte, drehte die Schwarze den Scheffel um und legte nur ein paar Münzen darauf. Die Blinde befühlte das Maß und weil sie die Münzen erspürte, dachte sie, das Maß sei voll und war zufrieden.

Die dritte Schwester, die Weiße genannt, tat nichts zu dem Betrug, doch sagte sie der Blinden auch kein Wort.

Doch als die Blinde wieder an der Reihe war, bemerkte sie den Betrug und verfluchte die anderen bitterlich. Da versank die Burg im Boden und die drei Schwestern mit ihr. Zurück blieb das Loch, das noch lange zu sehen war. Noch drei Tage konnte man den Hahn von unten herauf krähen hören.

So waren alle drei Schwestern verdammt, im Tode umzugehen, auch die Blinde, obgleich sie sich nichts hatte zuschulden kommen lassen.

Sie erschien all jenen, die fluchten und keiften. Stets gleich, tauchte sie plötzlich auf, wenn jemand geflucht hatte und legte still nur den Finger auf die Lippen. Sie wurde als erste erlöst. Wie....nun, darüber gibt es zwei Geschichten.

Die eine besagt, dass ein Priester einem Hirtenbuben geraten haben soll, die Blinde, so sie denn erschienen war, mit Weihwasser zu besprengen. Die andere besagt, dass eine Taufgesellschaft hinaus nach Biessenhofen zog und als die Blinde das reine, engelsgleiche Kindchen sah, ward sie erlöst. Welche der beiden Geschichten nun wahrhaftig zutrifft, kann heute niemand mehr sagen; sicher ist jedoch, dass die Blinde erlöst wurde.

Die Schwarze wurde schwerer bestraft. Sie musste in tierischer Gestalt, wild wie eine Furie, die große Kiste, welche den Schatz der Märzenburg beherbergt, untertage bewachen. Nachts soll sie als schwarzer Pudel, der Feuer spie, alle Schatzsucher verjagt haben. Andere behaupteten, sie sei in Gestalt eines schwarzen Ebers mit Menschenhänden dabei gesehen worden, wie sie Nacht für Nacht den Berg durchwühlte. Manche wollen sogar ein Goldstück in den Wühlspuren gefunden haben.

Wieder andere bezeugten, dass die Schwarze als „feuriger Rappe“ umginge, der nachts wild um den Berg galoppierte bis die Hufeisen glühten. Ein Jesuitenpater soll ihn allerdings in seine Kutte gebannt haben und diese dann verbrannt haben. Die Asche wurde in die Wertach gestreut. So wurde die Schwarze erlöst.

Die Weiße jedoch wurde nie erlöst. Sie musste des nachts in weißem Gewand umgehen, mit langen schwarzen Locken. Viele hörten sie nachts auf dem Weg von Kaufbeuren nach Biessenhofen hinter sich rufen. Einige versuchten gar, sie zu erlösen. Dazu mussten sie das Mädchen auf den Rücken nehmen und sie zur Martinskirche tragen. Man müsse beim Taufstein absetzen und ihr Haupt in das Wasser tauchen, dann werde sie als Taube erlöst hinwegfliegen, habe sie gesagt. Doch jeder, der es versuchte, gewahrte, dass sie auf dem Weg immer schwerer wurde. Dann hatten sie das Gefühl, durch tiefes Wasser zu schreiten und keine Luft mehr zu bekommen. Weiterhin sprang ihnen ein großer Hund mit feurigem Rachen entgegen. Jene, die all dies meisterten, sahen jedoch Kaufbeuren in Flammen stehen. Obwohl sie von der Weißen im Vorhinein gewarnt worden waren, dass dies alles nur ein Trugbild sei, hat bisher niemand diese Hürde nehmen können.

So ist die Weiße seither unzählige Male gesehen und gehört worden, wie sie des nachts im Walde der Märzenburg sang, bis punkt Mitternacht ihre Stimme versiegte, doch erlöst wurde sie nie.

Dies ist die Sage von der Märzenburg.

 

 

Um die Sage ausführlich nachzulesen, bitte die Quellen beachten!

 

Quellen:

  • http://www.sagen.at/texte/sagen/deutschland/bayern/allgaeu/maerzenburg.html

  • Endrös Hermann (Hg.) und Weitnauer Alfred (Hg.): Allgäuer Sagen, 4. Auflage, Verlag für Heimatpflege, Kempten (Allgäu) 1966


Die "zwei" Märzenburgen

Paradoxerweise gibt es zwei Stellen, die als Standorte der Märzenburg in Betracht kommen könnten. Es bestehen zwei Orte mit Gedenksteinen; die "vordere Märzenburg" wird allgemein als Standort der Märzenburg bezeichnet, jedoch ist dieser ein Siedlungsort aus der Hallstattzeit. Die "hintere Märzenburg" ist weniger gut erschlossen.

Die vordere Märzenburg

Gedenkstein der vorderen Märzenburg
Gedenkstein der vorderen Märzenburg
Gedenkstein der vorderen Märzenburg
Gedenkstein der vorderen Märzenburg

Die "vordere Märzenburg" wird allgemein als Standort der Märzenburg bezeichnet, jedoch ist dieser ein Siedlungsort aus der Hallstattzeit. Es wurden Funde aus dieser Zeit gemacht, die die Vermutung zulassen, dass es sich um eine mehr oder weniger  befestigte Wohngrubenanlage handelte. Dass dies der Standort der sagenhaften Burg sein könnte, ist unwahrscheinlich.

Die hintere Märzenburg

Über die hintere Märzenburg ist uns nichts bekannt. Aufällig ist hier jedoch , dass das Gelände Eigenschaften aufweist, die Anordnungen burgähnlicher Strukturen vermuten lassen.

Eine sehr große und flache Stelle am Waldrand. Zur östlichen Seite hin ein stark abfallender Hang. Die Süd- und Westseite ist mit einem bogenförmigen kleinen Erdwall umgeben und an der Nordseite gibt es am Rande der Fläche einen tiefen Graben mit vorgelagertem Erdwall.

 

 

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